NAUMBURG. Die Vorräte an Guinness-Bier waren dem Ansturm einfach nicht gewachsen. Das dunkle Getränk von der grünen Insel wurde schon von der Karte gestrichen, da hatten die letzten Gäste noch nicht einen Fuß in das Naumburger Marientor gesetzt. Zehn Minuten vor Konzertbeginn machte Heike Mattausch, Mitarbeiterin des Kulturmanagements, zudem aufmerksam, dass es etwas eng werde, es nur noch Stehplätze gebe.
Mehr als 240 Besucher erlebten schließlich am Sonnabendabend Punkt neun einen recht unspektakulären Gang der Gruppe "Tailteann" auf die Bühne. Die Folkband war bereits vor zwei Jahren zu Gast der "Neun Naumburger Nächte". In Windeseile kamen Marty Byrne, Bernd Lüdtke, Eddie Smyth und Hugh McBrien in das Rampenlicht und griffen zu den Instrumenten, zu Gitarre, Geige, Banjo und Knopfakkordeon. Ein kurzes "Hello there" in die Runde und schon ging's los. Mit einem ersten Vorgeschmack auf die kommenden knapp zwei Stunden irischer Lebenslust. Denn es waren keine zehn Minuten vergangen, als die ersten seitlich an der Bühne im Reigen tanzten, der Rest des Publikums klatschte, schunkelte oder angesichts eines wohl schüchternen Gemüts wenigstens mit den Fußsohlen wippte. Die Jigs und Reels aus verschiedenen Regionen Irlands hatten es allerdings auch in sich, wurde deren Rhythmus doch immer schneller. Fatal für die Innenflächen der Hände, die langsam glühten. Doch das deutsch-irische Ensemble wusste, wann es Zeit war, die Bremse zu ziehen. Mit melancholischen Liedern bildeten sie das Kontrastprogramm zu der temperamentvollen Heiterkeit der instrumentalen Stücke. So sang Gitarrist Marty Byrne mit sowohl charismatischer Stimme als auch Seele Geschichten von Abschied und Wiedersehen, Liebe und Trennungsschmerz. Bei "You are my sunshine" stimmte schließlich auch das Publikum mit ein.
Nach einem lautstarken und langen Applaus gab es noch ein herzerfrischendes Stück und ein musikalisches Farewell zum Ende. Auf ein baldiges Wiedersehen im Marientor, mit dem Wunsch, hoffentlich ein paar mehr Zuschauer zu haben, die auch ausgelassen sind und nicht nur statuengleich auf den Stühlen sitzen. Denn diese Musik lebt.

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Kleinkunstabend mit Tailteann

08.10.2010

Irish-Pub-Feeling bei Wein und Brezeln
Tailteann brachte mit irischen Songs und Tunes Leben ins alte Weinlager

Pressebericht HNA (Nicola Uphoff-Watschong)

Bad Karlshafen. Overbooked - mehr als ausverkauft, meldete Veranstalterin Dorothe Römer bereits am frühen Nachmittag lange vor Beginn des anstehenden Konzerts mit der irischen Band Tailteann.

Während in Irland die Wirtschaft stark rückläufig ist, boomt hierzulande die Musik der grünen Insel. Qualitativ hochrangige deutsche Bands hört man immer mal wieder in der Region, doch seltener stehen "waschechte" Jungs auf der Bühne, die einfach noch mehr authentisches Feeling mitbringen. Dafür sorgte im alten Lager des Weinhauses allein schon das Kauderwelsch aus Iro-Englisch und Deutsch mit sympathischem Akzent.

Marty Byrne, Sänger und Gitarrist der Band, war schon in den 70er Jahren mit der Band Tara in Deutschland und Amerika unterwegs, hängen geblieben ist er aber letztlich in Berlin. Dort tat er sich mit dem Akkordeonspieler Eddie Smyth zusammen, dann gesellte sich der virtuose Banjo- und Gitarrenspieler Hugh McBrien dazu und zur Freude des Publikums fehlte an diesem auch eine Fiddle nicht. Denn unerwartet brachte die Band Michael Poelchau mit, der als Kind in Texas die ersten Geigentöne lernte und u.a. ein Solo besteuerte.

Mit dieser idealen Besetzung war fetzige Musik garantiert und das Publikum fing schon beim ersten "Dance Tune" Feuer. Genau so fühlt es sich an, genau so klingt es bei einer Session in einem Dubliner Pub, wenngleich das berühmte lakritzschwarze Bier in diesem Fall durch vielfarbigen Wein und Fish&Chips durch Brezeln ersetzt wurden.

Natürlich gehörten auch Songs ins Programm. Marty stellte mit unverwechselbarer Reibeisenstimme Liebende und von der Liebe Enttäuschte vor, er besang das Heimweh der Auswanderer und die blutige Vergangenheit des Landes - lud also zu einem Streifzug durch die irischen Lieblingsthemen ein.

Er versäumte auch nicht, Bezüge zur aktuellen Situation in Irland herzustellen. Das Leben dort ist zwar moderner geworden ist, doch manche Dinge ändern sich nie - zum Beispiel die berüchtigte Querköpfigkeit der Menschen. Wie die Iren so sind, ist kein Thema dramatisch genug, um nicht launig und mit schwarzem Humor darüber zu reflektieren. Und auch ortsbezogene Sticheleien fehlten nicht, so wie die Geschichte eines irischen Lümmels, zufällig einem Musiker, der sich nach Bad Karlshafen abgesetzt haben soll, um dort die Mädels anzubaggern.

Dieses Geplänkel gab dem Abend eine fröhliche und entspannte Note, genau genommen viele davon, die sich nach den melancholischen Liedern zu mitreißenden Tanzmelodien vereinten. Irlandliebhaber und solche, die es spätestens jetzt geworden sind, kamen an diesem Abend voll auf ihre Kosten.